Warum aromatische Moleküle wirken, auch wenn du sie nicht riechen kannst
Diese Woche habe ich ein Training für Mitarbeitende des CJI gegeben: „KI-fest dein Gehirn”, ein Programm, in dem wir dein Nervensystem stärken und dein Gehirn widerstandsfähiger machen in einer Welt voller digitaler Reize. Wir haben mit Atemübungen, bewussten Pausen und natürlich ätherischen Ölen gearbeitet.
Und dann kamen die Fragen.
Zwei Teilnehmende stellten dieselbe Frage: Sie haben keinen Geruchssinn. Der eine durch einen Unfall, die andere durch eine virale Infektion. Und sie fragten sich: „Wenn ich die Öle nicht riechen kann, wirken sie dann überhaupt noch auf mein Nervensystem?”
Das Schöne ist: Diese Frage bekomme ich regelmäßig. Über meine App, in Trainings, von Kundinnen und Kunden, die sich fragen, ob sie die Fläschchen noch benutzen sollen, jetzt, da sie (vorübergehend oder dauerhaft) ihren Geruchssinn verloren haben.
Und jedes Mal ist meine Antwort dieselbe: Ja. Ätherische Öle wirken weiterhin. Auch ohne Geruch.
Aber ich verstehe, dass du wissen willst, warum und wie. Also nehme ich dich mit in das, was wir darüber wissen.
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Die 3 Wege ätherischer Öle: Geruch ist nur einer davon
Wenn du ätherische Öle verwendest, gelangen sie auf drei Wegen in deinen Körper und entfalten dort ihre Wirkung.
1. Aromatisch: über die Nase zum Gehirn
Das kennen die meisten: Du riechst Lavendel und fühlst dich ruhiger. Die aromatischen Moleküle wandern über deine Riechnerven zum Bulbus olfactorius, dem einzigen Punkt, an dem dein zentrales Nervensystem direkten Kontakt zur Außenwelt hat. Von dort erreichen sie innerhalb weniger Sekunden dein limbisches System, die Bereiche, die Emotionen, Gedächtnis und Stress regulieren.
Das ist der schnellste Weg, und sicher nicht der einzige.
2. Topisch: über die Haut in den Blutkreislauf
Ätherische Öle sind lipophil, sie haben eine Affinität zu fettähnlichen Substanzen. Deine Haut enthält natürliche Lipide, wodurch die Moleküle effektiv aufgenommen werden.
Studien zeigen, dass wirksame Bestandteile innerhalb von 15 bis 30 Minuten nach topischer Anwendung im Blut nachweisbar sind (Herman & Herman, 2015). Eine Studie mit Lavendelöl zeigte, dass Linalool und Linalylacetat (die wichtigsten Bestandteile) nach einer sanften Bauchmassage mit einer 2%igen Mischung im Blut nachgewiesen wurden, mit einem Höchstwert nach etwa 30 Minuten.
Die Moleküle zirkulieren durch deinen Körper und erreichen dein Gehirn, deine Organe und deine Muskeln. Sie beeinflussen dein Nervensystem, deinen Hormonhaushalt und die zelluläre Kommunikation, die eine gesunde Geweberegeneration unterstützt, ohne dass du sie riechen musst.
3. Intern: über dein Verdauungssystem
Manche Öle können eingenommen werden. Sie wirken dann über deinen Magen-Darm-Trakt, werden in den Blutkreislauf aufgenommen und erreichen so dein gesamtes System. Das ist der direkteste systemische Weg, ohne Umweg über Nase oder Haut.
Sicherheit zuerst. Die Einnahme ist nicht für jeden und nicht für jedes Öl geeignet. Verwende dafür ausschließlich Öle, die explizit dafür bestimmt und entsprechend gekennzeichnet sind (bei doTERRA erkennbar am Supplement-Facts-Label), gemäß der angegebenen Dosierung. Nicht während Schwangerschaft oder Stillzeit, nicht bei kleinen Kindern, und bei Medikamenteneinnahme immer vorher Rücksprache halten. Bist du unsicher? Dann bleib bei aromatisch und topisch, die wirken auf jeden Fall.

Aber wenn du nicht riechen kannst, verpasst du dann nicht einen Teil?
Ja und nein.
Was dir fehlt: das bewusste Geruchserlebnis. Die emotionale Assoziation mit einem Duft. Dieser Moment von „ah, ich rieche Lavendel, Zeit zum Entspannen.”
Was dir nicht fehlt: die pharmakologischen Effekte. Und das gilt für alle drei Wege, auch für die aromatische Anwendung. Das ist die entscheidende Erkenntnis, die uns die Forschung liefert.
Lavendel wirkt auch bei Anosmie
Eine Studie aus 2013 (in Life Sciences) untersuchte, ob Lavendelöl bei Mäusen mit Anosmie, also Mäusen, denen künstlich der Geruchssinn genommen worden war, noch immer eine angstlösende Wirkung hatte.
Das Ergebnis: Die beruhigende Wirkung des Einatmens von Lavendelöl war bei Mäusen mit und ohne Geruchssinn identisch. Die Schlussfolgerung der Forschenden: “These results suggest that olfactory system activation is unlikely to participate in the anxiolytic-like effect of lavender essential oil inhalation.”
Mit anderen Worten: Die beruhigende Wirkung von Lavendel läuft über einen anderen Mechanismus als nur den Geruch.
TRP-Rezeptoren: das nicht-olfaktorische System
Während COVID verloren viele Menschen ihren Geruchssinn, was zu umfangreicher Forschung darüber führte, wie ätherische Öle bei Anosmie wirken.
Was Forschende entdeckten: Ätherische Öle aktivieren TRP-Rezeptoren (Transient Receptor Potential Receptors), Sensoren, die auf Temperatur, Schmerz und chemische Stoffe reagieren. Diese Rezeptoren befinden sich überall in deinem Körper: in deiner Haut, deinen Atemwegen, deinem Darm. Auch wenn dein olfaktorisches System nicht funktioniert, werden sie weiterhin durch die Moleküle aus ätherischen Ölen aktiviert. Das erklärt, warum Menschen ohne Geruchssinn bei topischer Anwendung oder Einnahme noch immer eine Wirkung spüren.
Die Aufnahme über die Haut ist wirkungsvoll genug
Mehrere Studien zeigen, dass Bestandteile ätherischer Öle nicht nur über die Haut aufgenommen werden, sondern auch aktiv im Blutkreislauf bleiben: bei den meisten Ölen etwa 4 bis 6 Stunden, bei Ölen wie Frankincense bis zu 8 Stunden.
Ein systematisches Review von 112 Studien (Mwesigwa et al., Scientia Pharmaceutica, 2022) kam zu dem Schluss: “Essential oils and their volatile constituents can penetrate through the skin as well as enhance penetration of different drugs from topical formulation into the lower skin layers.” Die Effekte sind also systemisch, sie beeinflussen deinen gesamten Körper, einschließlich deines Nervensystems, deiner zellulären Prozesse und deines Hormonhaushalts.

Praktisch: So verwendest du ätherische Öle ohne Geruchssinn
Die gute Nachricht: Du musst keine einzige Anwendung auslassen.
Aromatisch:
- Diffusen funktioniert weiterhin, die Moleküle werden eingeatmet und über die Lunge aufgenommen
- Über deine Atemwege gelangen sie in den Blutkreislauf und aktivieren TRP-Rezeptoren
- Die Teilnehmenden in meinem CJI-Workshop haben das erlebt: Sie nahmen die Effekte wahr, auch ohne den Duft bewusst zu riechen
- Verwende einen Diffuser oder einen persönlichen Inhaler, wie du es gewohnt bist
- Der einzige Unterschied: Du hast keine Duftassoziation, aber die Moleküle entfalten trotzdem ihre pharmakologische Wirkung
Topisch:
- Verdünne immer mit einem Trägeröl (zum Beispiel Fractionated Coconut Oil)
- Verwende 1 bis 2 Tropfen ätherisches Öl pro Teelöffel Trägeröl
- Beste Stellen für die Aufnahme: Fußsohlen, Handgelenke, Nacken (dünne Haut, gute Durchblutung)
- Lass das Öl mindestens 15 bis 20 Minuten einwirken, bevor du es abspülst
Intern (mit dem Sicherheitshinweis von oben im Hinterkopf):
- Verwende nur Öle, die explizit für die Einnahme gekennzeichnet sind
- Fang vorsichtig an: 1 Tropfen in einer vegetarischen Kapsel oder verdünnt in 250 ml Wasser
- Nimm es etwa 30 Minuten vor dem gewünschten Effekt ein (zum Beispiel vor dem Schlafengehen bei schlaffördernden Ölen)
Öle mit starker systemischer Wirkung
Manche Öle sind besonders wirksam bei topischer oder interner Anwendung:
- Frankincense: unterstützt eine gesunde Gehirnfunktion
- Copaiba: enthält Beta-Caryophyllen, ein pflanzliches Cannabinoid, das dein Endocannabinoid-System unterstützt
- Turmeric: bekannt durch Curcumin; das Öl selbst ist reich an Turmeronen und unterstützt Gelenke und Muskeln durch systemische Wirkung
- Adaptiv Kapseln: entwickelt zur Stressunterstützung durch Einnahme
- Deep Blue: bei Muskel- und Gelenkbeschwerden durch topische Anwendung
Warum das wichtig ist
Die Frage „wirken ätherische Öle ohne Geruch” handelt von etwas Größerem: Sehen Menschen natürliche Mittel als pharmakologisch aktiv, oder halten sie sie für reinen Placebo?
Lass mich klar sein: Ätherische Öle sind bioaktive Moleküle mit nachweisbaren pharmakologischen Effekten. Sie binden an Rezeptoren, beeinflussen Neurotransmitter, unterstützen die zelluläre Kommunikation, werden von deiner Leber verstoffwechselt und haben Halbwertszeiten, die sich messen lassen. Das ist Biochemie, kein Märchen.
Und ja, die psychologische Komponente von Geruch ist stark, das bestreitet niemand. Die pharmakologische Wirkung steht davon unabhängig. Wenn du keinen Geruchssinn hast, verpasst du einen Teil des Erlebnisses, während die Wirksamkeit bestehen bleibt.

Zum Schluss
Die beiden Teilnehmenden in meinem Training konnten live erleben, dass die aromatischen Moleküle durchaus eine Wirkung auf sie hatten. Sie gingen zufrieden nach Hause, mit dem Wissen, dass ätherische Öle ihr Nervensystem weiterhin unterstützen können, über alle drei Anwendungen: aromatisch, topisch und intern.
Denn Moleküle wirken, auch ohne dass du den Duft bewusst wahrnimmst.
Bereit, damit loszulegen? Lade das Protokoll herunter, nutze deine Öle, und los geht’s. Dein Nervensystem wartet auf Input.
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Tanja Holistic Health Coach • doTERRA Blue Diamond Leader • Creator of the GOOD. method

Wissenschaftliche Quellen
- Anosmie und Lavendel: Yamada K, Miura T, Mimaki Y, Sashida Y. “Anosmia does not impair the anxiolytic-like effect of lavender essential oil inhalation in mice.” Life Sciences. 2013;92(24-26):1073-1079. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0024320513001926
- Dermale Absorption: Herman A, Herman AP. “Essential oils and their constituents as skin penetration enhancer for transdermal drug delivery: a review.” Journal of Pharmacy and Pharmacology. 2015;67(4):473-485. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25557808/
- Lavendelabsorption über die Haut: Cal K. “Skin penetration of terpenes from essential oils and topical vehicles.” Planta Medica. 2006;72(4):311-316. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16557471/
- TRP-Rezeptoren / Post-COVID-Anosmie: Ceccarelli G, et al. “Olfactory training with essential oils for patients with post-COVID-19 smell dysfunction: A case series.” Integrative Medicine Research. 2023;12(2):100936. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10102705/
- Systematisches Review Penetration: Mwesigwa E, et al. “Systematic Review on the Effectiveness of Essential and Carrier Oils as Skin Penetration Enhancers in Pharmaceutical Formulations.” Scientia Pharmaceutica. 2022;90(1):14. https://www.mdpi.com/2218-0532/90/1/14
- Tisserand Institute über Aromatherapie und Anosmie: https://tisserandinstitute.org/learn-more/aromatherapy-smell/
- Skin-Permeation-Mechanismen: Çalışkan UK, Karakuş MM. “Essential Oils as Skin Permeation Boosters and Their Predicted Effect Mechanisms.” Journal of Dermatology & Skin Science. 2020;2(3):24-30.